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Route
2000/ 2001
MOMO auf dem Atlantik
Land in Sicht!!
Am Freitag den 12. Januar 2001, gleich nach Sonnenaufgang, konnten wir
das erste Mal unser Ziel, die Insel Antigua, am Horizont sehen.
Erst mal immer schön der Reihe nach!
Wie geplant sind wir am 16.Dezember 2000 von Santa Cruz de Tenerife
aus gestartet.
Nachdem alle Weihnachtspost per Brief oder e-mail auf den Weg gebracht
war und die letzten Frischsachen eingekauft waren, sind wir am Nachmittag
losgesegelt. Da wir für das Ausdrucken der Briefe fast die ganze Nacht
gebraucht haben, beschlossen wir, für die kommende Nacht eine Ankerbucht
im Süden von Teneriffa aufzusuchen.
So sind wir dann am Sonntag, gut ausgeschlafen und nach einem guten
Frühstück, um 11Uhr gestartet. In der Nacht auf Montag sahen
wir langsam die Lichter der Inseln Teneriffa, La Gomera und El Hierro verschwinden.
Durch den guten Wind kamen wir schnell voran.
Es war die ersten Nächte nur sehr kalt, Heiko holte sogar seinen
Faserpelz raus! Nach ein paar Tagen auf See gewöhnten wir uns so langsam
an einen Wachrhythmus für die Nacht: 4 Stunden Wache und dann für
4 Stunden zum Ausruhen und Schlafen ins Bett, d.h. zu der Zeit schliefen
wir auf der Sitzbank im Salon, da wir da nicht so viel umher rollen können.
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Tagsüber waren wir meistens zu zweit wach. Der Tagesablauf ist
ausgefüllt mit Kochen, Abspülen und Essen (bei einem ständig
schwankenden Schiff ist das gar nicht so einfach, doch wir haben jeden
Tag ein warmes Essen gemacht), dem Empfang von Wetterkarten über den
Funk und ein paar Terminen, wo wir mit anderen Schiffen funken.
Jeden Mittag verglichen wir mit Freunden, die zwei Tage vor uns von
Teneriffa gestartet sind (SY TIEN FEI mit Magaret und Raymond) unsere Positionen
und Wetterverhältnisse. Mit Hans von der SY COPAIN funkten wir auch
fast jeden Tag. COPAIN liegt zur Zeit in Barcelona und sie können
schon das Zweite Mal die Route der MOMO über den Atlantik mitverfolgen,
da sie auch mit unseren Vorbesitzern Kontakt hatten. Ja und dann hören
wir auch noch bei einigen Funknetzen mit, die für das Mittelmeer,
den Atlantik und die Karibik Infos verbreiten. Meistens Wetter und Standorte
der Schiffe, aber auch sonst ganz unterhaltsam. So bekamen wir am ersten
Weihnachtsfeiertag Grüße von Gerhard Stötzner, einem Hersbrucker
Funkamateur. Über Ingrid und Norbert vom Katamaran HARLEKIN konnten
wir sogar Grüße per e-mail über Funk nach Deutschland senden
lassen. Ingrid gab auch immer wieder unseren Standort an Intermar weiter,
ein deutscher Amateur-Seefunkverein, so daß wir von da gut mit Wetterinfos
für unser Gebiet versorgt wurden. Vielen Dank noch mal von uns für
all diese Dienste!
Leider verließ uns zu Weihnachten der Wind und wir erlebten den
Atlantik absolut ruhig. Nur eine ganz lange Welle/Dünung machte diesen
„Ankerplatz“ ein wenig unangenehm, denn MOMO rollte dadurch ständig
hin und her. Ich nutzte die Windstille zu einem Bad im Atlantik (ca. 5000m
tief!), doch sofort waren einige große Fische in meiner Nähe
und machten es doch etwas unheimlich. Nach fast drei Tagen setzte wieder
etwas Wind ein, es ging weiter.
Wir versuchten jetzt auch mal unser Glück mit der Angel, da wir
so viele Fische um uns herum gesehen haben. Und es biß auch einer
an, eine Golddorade, die ca. 60cm lang war. Dafür das es unser erster
Fisch war, klappte es schon ganz gut mit dem Töten, Ausnehmen und
Filettieren. Wir hatten für zwei Mahlzeiten frisches Filet, einfach
lecker! |
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Kurz nach unserem „Fang“ entdeckten wir noch einen Wal, der parallel
zu uns schwamm, nur ein paar Meter entfernt, ca.8 Meter lang. Neben den
Fischen und immer wieder ein paar vereinzelten Vögeln schwammen auch
ab und zu ein paar Delphine mit uns. Ein paar Tage lang sprangen fliegende
Fische zu uns an Bord, sie waren für eine Mahlzeit zu klein und wir
warfen sie wieder zurück.
Während der Überfahrt sahen wir auch nur sieben Mal Großschiffahrt,
einmal bedankten wir uns per UKW-Funk für ein Ausweichmanöver
eines solchen „big ships“.
Nach der Flaute hatten wir eigentlich die ganze Zeit über nur
leichte Winde und schafften so um die 100 Seemeilen pro 24 Stunden. Manchmal
wurde es mit unserem Energiehaushalt etwas knapp, denn der Autopilot braucht
ja dauernd Strom. Wenn der Himmel bewölkt ist, liefern die Solarzellen
nur wenig Strom und wenn wir langsamer als 4 Knoten fahren, bringt der
Wellengenerator auch nichts. Wir mußten ab und zu mal in der Nacht
die Maschine benutzen, da ließen wir dann auch gleich den Wassermacher
mitlaufen und kamen ein wenig schneller vorwärts.
Je weiter wir in den Westen kamen, desto wärmer wurde es, vor
allem in der Nacht. Fast jeden zweiten Tag gab es einen oder mehrere kurze
Regenschauer, meist frischte währenddessen der Wind auf und danach
war es wieder ruhiger. In den Nächten konnte man, wenn keine Wolken
am Himmel waren, den ganzen Himmel voller Sterne und Planeten sehen. Kein
Licht von Außen stört und wenn der Mond aufgegangen war, konnte
man fast an Deck lesen, so hell war es.
Die meiste Zeit waren wir mit unserem Großsegel und dem zur anderen
Seite ausgebaumten Vorsegel unterwegs. Für unser Leichtwindsegel (Easy
Rider) war die Windrichtung nicht so optimal, sonst wären wir bestimmt
etwas schneller gewesen (ist viel größer). In der letzten Woche
mußten wir mehrmals die Seiten an denen die Segel stehen wechseln
und, da der Beschlag vom Spinnakerbaum von den Bewegungen verbogen ist,
war das ziemlich aufwendig. |
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Eine der Schoten von der Fock ist auch durchgescheuert und Heiko tauschte
sie an dem schwankenden Vorstag aus. Neben ein paar durchgeriebenen Stellen
am Segel (scheuern an den Wanten) und einer defekten GPS-Antenne (haben
noch ein Hand-GPS als Ersatz an Bord) waren das zum Glück die einzigen
Schäden bei der Überfahrt.
Da gegen Ende der Überfahrt so langsam die meisten Frischsachen
(Obst und Gemüse) zu Ende waren, starteten wir ein paar Versuche und
keimten verschiedene Körnen zu Sprossen. Auch ein Frischkäse
aus Milchpulver, sowie mehrmals ein frisch gebackenes Brot rundeten unseren
Speisezettel ab.
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Ja und am Freitag den 12. Januar 2001, nach gut 650 Stunden (27 Tage)
und etwa 2800 Seemeilen, kam Antigua in Sicht. Wir haben fast eine Woche
länger gebraucht, wie wir gehofft hatten. Es war ja auch deutlich
weniger Wind, wie wir es uns erhofft hatten. |
Wir konnten auch die Insel Guadeloupe und Montserrat ausmachen. Auf
letzterer befindet sich ein aktiver Vulkan, man kann deutlich die Rauchwolken
erkennen, teilweise sieht man in der Nacht auch Lava austreten.

In der Bucht English Harbour im Südosten der Insel trafen wir mit
den Freunden von TIEN FEI zusammen, sie waren 3 Tage vor uns angekommen.
Wir mußten zum Einklarieren zu den Hafenbehörden und zum Zoll,
alles ganz nah im historischen Nelson`s Dockyard. Hier in der Bucht fand
die Britische Marine im 18ten Jahrhundert einen gut zu verteidigenden und
(hurrican-)sicheren Hafen für die kleinen Antillen. Die historische
Anlage ist restauriert und man läuft praktisch wie durch ein Freilichtmuseum.
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